-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
Herta Föhl Fonds
Herta Föhl wurde am 13.6.1898 in Berlin geboren. Einige Schicksalsschläge haben ihr Leben geprägt; so verstarb ihre einzige Tochter als junge Frau und auch ihrem Mann war es nicht vergönnt ein langes Leben mit ihr zu teilen.Trotzdem war Hertha Föhl ein dem Leben zugewandter Mensch geblieben. In der Kirchengemeinde Marienfelde fand sie viele Freundinnen, jede Veranstaltung wurde von ihr aufmerksam besucht, dabei war sie nicht eine mit Worten frömmelnde Frau. Etwas unternehmen, Kaffee und Kuchen zu genießen, leckeres Essen zu verspeisen, auf Reisen schöne Anziehsachen zu kaufen, ja sie war in der glücklichen finanziellen Lage sich vieles erlauben zu können. Dabei vergaß sie aber nie, dass es Menschen gab, die aus welchen Gründen auch immer jedes Geldstück mehrfach wenden mussten, bevor sie es ausgeben konnten. Auf den Seniorenreisen hat sie deshalb auch immer den Reisebegleitern im nicht unerheblichen Maß Geld zugesteckt, damit die Unternehmungen vor Ort billiger für alle werden konnten. Sie wollte aber nicht, dass darüber auch nur ein Wort verloren wurde. Zum Schluß ihres Lebens wurde das von ihr so wichtig angesehene Gehen immer eingeschränkter; in ihr wuchs in einem erschreckendem , unkontrollierbaren Ausmaß die Furcht einmal ganz auf andere angewiesen zu sein.Sie nahm sich am 22.Februar 1993 das Leben. Den Mut zum Weiterleben hat sie leider nicht aufbringen können. Über ein Jahr vor ihrem Tod, gab es lange Gespräche, was mit ihrem Vermögen im Fall ihres Sterbens als letzter Wille verfügt werden sollte. Ihr gutsituierter Enkel verzichtete auf alles; er sagte, dass die Kirchengemeinde ihre Familie gewesen ist und deshalb das Erbe für einen gemeindlichen Zweck benutzt werden sollte. Die Urenkel wurden finanziell noch großzügig bedacht und mit Herta Föhl ein Testament aufgesetzt. Es war die Idee entstanden, nach ihrem Tod das fortzusetzen, was ihr zu Lebzeiten wichtig gewesen ist. Deshalb wurde verfügt: 1.) Aus ihrem Vermögen soll eine Fonds gebildet werden, aus dem bei kirchengemeindlichen Seniorenreisen einzelne Reiseteilnehmer bezuschusst werden können, damit ihnen die Reise ermöglicht wird.
2) Älteren Gemeindegliedern sollen in die Lage versetzt werden, ihre Lebensqualität zu verbessern ( Zuschuß zum Rollstuhlkauf, Lese- und Hörhilfen und ähnliches)
3)Die jährlichen Zinsen aus dem Fonds dürfen für die genannten Zwecke verwendet werden.
4)Neben den jährlichen Zinsen dürfen h ö c h s t e n s 5 % des Grundkapitals entnommen werden. Dieser Beschluss darf nicht revidiert werden.
5)Die Verwaltung des Föhl-Fonds und die Vergabe der Mittel liegen in den Händen des Gemeindekirchenratsausschusses für Seniorenarbeit. Der Gemeindekirchenrat nimmt dessen Beschlüsse nur zur Kenntnis und überprüft die Einhaltung der Vergaberichtlinien.
Seit 1993 wird dieser Fonds ordnungsgemäß verwaltet, sein Finanzvolumen beträgt 2012 dank sparsamen Wirtschaftens ca. 108.400,00 €. Die Kirchengemeinde Marienfelde ist Herta Föhl dankbar für diese Möglichkeit und ebenso die Menschen, die von ihrer Großzügigkeit über ihren Tod hinaus bessere Lebensbedingungen und -möglichkeiten geschenkt bekamen.
Eckhard Park
Hildegard Müller Fonds
Hildegard Müller wurde am 14.5.1910 in Driesen geboren. Seit 1974 lebte sie mit ihrem Mann in Marienfelde. Sie führten ein bescheidenes Leben in einer Mietwohnung, obwohl sie sich andere Wohnmöglichkeiten hätten leisten können Sie waren in der Lebensgestaltung sehr sparsam, haben durch die Erfahrung zweier Kriegs- und Nachkriegszeiten aber nie vergessen ,was im Leben wesentlich ist. Ihr einziger Sohn wurde im 2.Weltkrieg als vermisst gemeldet; nicht zu wissen, wo sein Grab ist, belastete die Eltern ihr ganzes Leben lang schwer.Anfang der 80.Jahre verstarb ihr Mann und sie fand in einer liebevollen Nachbarin einen vertrauten Menschen, der sich kümmerte und Lebensfreude und Lebensleid teilte, Essen kochte und Pflege koordinierte.
Hildegard Müller war es gewohnt im Leben bestimmen zu dürfen. Sie wusste oft zu genau, was sie wollte und war mehr als beharrlich in manchen Dingen. Aber sie konnte auch mit ihren dunklen Augen fröhlich und lachend in die Welt sehen.
In der letzten Phase ihres Lebens hatte sie es schwer; das Leben erschien ihr unerträglich und sie wollte sterben dürfen. Sie hatte ihr Haus bestellt und alles geregelt, was notwendig war. So verstarb sie friedlich am 19.12.2001 in einem Krankenhaus.
Wir haben Hildegard Müller in der Kirchengemeinde nie kennen gelernt. Als sie noch in der Lage war zu Veranstaltungen gehen zu können, da waren ihr die Menschen alle zu alt, die „ man dort trifft“. Aber sie hatte von den Finanzierungsproblemen bei der Dorfkirchenrenovierung und dem Neubau einer Orgel aus dem Gemeindereport erfahren. Dafür wollte sie die Hälfte ihres Vermögens gerne geben. So wurde auch von ihrem Geld ein Fonds aufgelegt, der eine eindeutige und klare Zweckbestimmung hat. 2012 verwaltet der Fonds ein Kapital von ca. 179.600,00 €.
1) Der Hildegard Müller Fonds dient dem Zweck und verfolgt das Ziel, Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, damit die Marienfelder Dorfkirche im Inventarbereich und in den inhaltlichen Angeboten in der Lage ist, langfristig diese Bereiche zu sichern.
2) Damit die Kirchengemeinde den Fonds nicht in kurzer Zeit aufgebraucht hat wird den Verwaltern des Fonds zur Auflage gemacht, dass jährlich n u r die angefallenen Zinsen für die Ziel- und Zweckbestimmung verwendet werden dürfen.
3) Bei außergewöhnlichen Bedingungen dürfen maximal 10 % der Grundkapitalentnahme vom Gemeindekirchenrat beschlossen werden. Dazu ist eine 2/3 Mehrheit in dem Gemeindekirchenrat notwendig.
Seit 2002 verwaltet die Kirchengemeinde Marienfelde dieses geschenkte Geld und hat sowohl für die inhaltlichen Veranstaltungen in der Dorfkirche als auch für notwendiges Inventar aus dem Hildegard Müller Fonds Finanzmittel entnommen. Wir danken Frau Müller für die großzügigen und langjährigen Möglichkeiten.
Eckhard Park
Lieselotte Hey Fonds
Lieselotte Hey wurde am 26.04.1914 in Berlin als Tochter eines Offizieres geboren. Davon wurde sie geprägt oder hat sich prägen lassen, denn in ihrem ganzen Leben gab es die Dominanz einer Ordnungsliebe und einer Korrektheit, die unerschütterlich erschien.In ihrer Wohnung in der Waldsassenerstraße hätte jederzeit ein Stubenapell stattfinden können, alles hatte seinen Platz und seine Ordnung.
Buchhalterin ist sie geworden und sie wurde eine 1000%. Zahlen, Fakten, Bilanzierungen, Plus und Minus spielten bis zum Lebensende eine herausragende Rolle. Sie notierte und schrieb auf, rechnete genau vor und konnte jederzeit Gewinn und Verlust vorrechnen. Selbst ihre eigenen Ausgaben - für die sie niemandem Rechenschaft ablegen musste - wurden genaustens notiert und aufgelistet. Die Struktur dieser Denkweise legte sie allerdings auch bei Menschen an; wer einmal auf ihrer "Minusseite" war, der hatte es mehr als schwer davon wieder wegzukommen.So wie die Ordnungsliebe in ihrem Leben beständig vorhanden war, so blieb auch die Buchhalterin lebenslang aktiv.
Zu den Beständigkeiten gehörte allerdings auch ihre Bereitschaft zu lachen und fröhlich zu sein. Wenn es dazu einen ausgewählten Anlass gab, dann leuchteten ihre Augen vor Freude. Platten Humor konnte sie nicht ertragen; sie berichtete immer wieder davon, wie schlimm es für eine protestantische Preußin in der Karnevalszeit in Düsseldorf war. Für Nähe, die sie zuließ, brauchte sie immer auch eine ihr angemessene Distanz.
Seit 1953 war sie verheiratet; mit ihrem Mann ging sie gerne in den Bergen wandern, sie brauchten und liebten die klare Luft. Finanziell ging es den beiden in ihrer Ehe, die zu ihrem Bedauern kinderlos blieb, sehr gut. Als ihr Mann nach 26 Ehejahren schwer erkrankte war es für Frau Hey selbstverständlich die Pflege zu übernehmen und zwar wieder mit mehr als 100%.
In die Kirchengemeinde Marienfelde ist sie sehr gern gekommen, dort traf sie Menschen unterschiedlichster Prägung. Sie war nie frömmelnd, aber immer interessiert. Ich hätte ihr gewünscht, daß sie selber mehr für sich mit ihrem Geld gemacht hätte, aber sie war mit ihrem Leben zufrieden. Ich hätte ihr an manchen Stellen des Lebens gewünscht, daß sie nachsichtiger mit Fehlern, barmherziger mit menschlichen Unzulänglichkeiten und vergebungsbereiter mit sich selbst und anderen Menschen hätte sein können.
Über den Tod und das Sterben konnte man mit ihr ganz nüchtern reden. Ihr Erbe hat sie geordnet und zum Beispiel sehr großzügig das Tierheim und den Berliner Zoo bedacht. Sie verstarb ganz friedlich am 27.12.2005.
125.000.00 € wurde von ihr in den Hey-Fonds eingebracht. Seine Zielsetzung war mit ihr abgesprochen und schriftlich beurkundet.2012 ist der Bestand sogar dank sparsamen Wirtschaftens auf €136.250,00 angewachsen.
1. In der Kinder-,Jugend- ,und Seniorenarbeit der evangelischen Kirchengemeinde Marienfelde sollen durch Mittel des Fonds gemeindliche Reisen und einzelne TeilnehmerInnen bezuschusst werden.
2. Aus den Mitteln des Fonds sollen für zeitlich begrenzte Projekte in den oben genannten Arbeitsbereichen Honorarkräfte bezuschusst werden.
3. Anschaffungen von Gebrauchs-, und Ausstattungsgegenständen in den oben genannten Arbeitsbereichen sollen bezuschusst werden.
Aus dem Hey-Fonds dürfen neben den jährlichen Zinsen höchstens 10% des Grundkapitals entnommen werden. Die Verwaltung des Hey-Fonds übernimmt eine Arbeitsgruppe; der Gemeindekirchenrat nimmt deren Beschlüsse zur Kenntnis und überprüft jährlich die Rechtmäßigkeit der Vergabe.
Wir sind Frau Hey sehr dankbar für die finanziellen Möglichkeiten mit denen wir die gemeindliche Arbeit unterstützen können. Wir denken respektvoll an sie und ehren ihr Andenken.
Eckhard Park
-