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DORFKIRCHE IN BERLIN - MARIENFELDE
(älteste erhaltene Dorfkirche von Berlin)Über die Geschichte der Marienfelder Kirchengemeinde gibt es lesenswerte und informative Broschüren, die von unserem Archivar Hans-Werner Fabarius in den vergangenen Jahren zusammengestellt wurden. Er hat in sorgfältiger Arbeit die Kirchenbücher der Kirchengemeinde studiert und ausgewertet.
Die Gründung Marienfeldes und die Erbauung der Kirche um 1220 werden dem Tempelritterorden zugeschrieben. Bereits durch seine frühere Zugehörigkeit zum Kirchenkreis Cölln Land II mit der Stadtgemeinde verflochten, wurde Marienfelde 1920 ein Ortsteil des Bezirks Tempelhof (heute auch Kirchenkreis).
Die Kirche ist Mittelpunkt des denkmalgeschützten Angerdorfes mit Bauten aus mehreren Jahrhunderten, wie Gutshof, Gutspark und Teiche. In seiner spätromanischen Gestalt wirkt das Bauwerk schlicht und trutzig. Wegen seiner Gliederung (Apsis, Chor, Langhaus, Westturm) wird es als „vollständige Anlage“ bezeichnet. Die halbrunde Apsis mit drei langen rundbogigen Fenstern ist der älteste Bauteil. Von außen kann der Betrachter über den vergrößerten Fenstern die Rundbögen der einst schmalen romanischen Öffnungen an Chor und Langhaus erkennen.

Aus frühgotischer Zeit ist der südliche Anbau mit schön gegliedertem Giebel, den spitzbogige und mit Ziegelsteinen im Klosterformat gefasste Blenden zieren (vor der Reformation Marienkapelle, heute Sakristei). Der nördliche Anbau dürfte der alten Priesterpforte entsprechen. Er führte im 19. Jh. zur Patronatsloge, die inzwischen wieder zurückgebaut worden ist. Seit den baulichen Veränderungen 1920/21 wird das Gotteshaus durch eine Vorhalle (Westseite) aus dieser Zeit betreten. Der zuvor benutzte nördliche Seiteneingang ist zugleich verschlossen worden.Beim Betreten des Gotteshauses fällt unser Blick auf ein Relief von Georg Roch (1921). Es erinnert mit einem Friedensengel über Grabkreuzen und der Inschrift „Herr hilf uns - 1914-1920“ an die Weltkriegs- und Revolutionstoten. Hier ist auch ein an seinem Fundort ausgestelltes Skelett eines Mannes aus dem 13. Jh. Aufgrund der Grabungsergebnisse, die vom archäologischen Landesamt 1993 durchgeführt worden sind, ist zu vermuten, dass vor dem Bau der jetzigen Kirche eine einfache Holzkirche am gleichen Platz stand, um die herum die ersten Begräbnisse des um 1200 gegründeten Dorfes stattfanden.
In einer Vitrine befindet sich die originale Windfahne von 1595, die älteste von Berlin. Sie erinnert an ihren Stifter: J(oachim) P(etzke) M(üller) I(n) M(arienfelde). Auf dem Turm dreht sich eine Nachbildung.

Innen ist die Kirche sehr schlicht. Wirkung schaffen der das Langhaus und den gewölbten Chor trennende Bogen und die als Halbkuppel gearbeitete Apsis. Das Tonnengewölbe des Langhauses ist beim Umbau unter dem ortsansässigen Architekten Bruno Möhring (1921) geschaffen worden. Die zur selben Zeit ausgeführte jugendstilgemäße Bemalung des Triumphbogens (himmlisches Jerusalem) und der Apsis (segnender Christus) konnte bei der Restaurierung 1953 nicht erhalten werden und wurde daher übertüncht. Kanzel, Orgelempore das teilweise vorhandene Gestühl sind noch vom Umbau 1835, jedoch verändert. Ausjüngster Zeit sind Altar und Lesepult. Die1629 von Bürgern der Stadt Cölln an der Spree gestiftete Taufe in Pokalform aus Kalkstein (Spätrenaissance) und ein flämischer Leuchter sind hier zu nennen.

Die Apsisfenster fertigte Georg Lippmann 1956 als Glasmosaik. Sie stellen die Schöpfungsgeschichte dar.
Die beeindruckende Orgel von Frobenius & Sonner (Kopenhagen) mit 1752 Pfeifen und 26 Registern ist 1994 eingebaut worden und dient anspruchsvollen Konzerten.

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